Schlagwörter

, , ,

Früher hatte man den „Arbeitsablauf“, aber heute muss ja alles modern klingen und somit englisch. 😉

Wie ich mir meine Makro-Motive suche hab ich ja schon im letzten Beitrag beschreiben. Da einige Fragen folgten hier nun im Detail die Dinge, die nach dem „Finden“ folgen. Alles natürlich nur ein „Kann“ und kein „Muss“ – es gibt viele Möglichkeiten Makroaufnahmen zu machen, aber zum einen kenne ich sicher nicht alle und zum anderen soll das hier ja auch kein eBook werden.

Die Zeiten in denen ich auf gut Glück mit meinem ganzen Equipment losgezogen bin sind bei mir vorbei. Daher treffe ich im Vorfeld meiner kleinen „Streifzüge“, oder der größeren Fototouren eine Reihe von Entscheidungen.

In diesem Fall will ich Makros fotografieren, also packe ich ein leichtes Tele ein und freue mich, dass ich die Portraitlinsen nicht schleppen brauche. Gelegentlich nehme ich noch ein Weitwinkel für Landschaftsaufnahmen mit, wenn ich früh morgens besonders schöne Lichtstimmungen erwarte, oder ein schöner Wolkenhimmel einen grandiosen Sonnenuntergang verspricht, aber ansonsten immer nur das Nötigste. Für die Makroaufnahmen verwende ich Zwischenringe – Nahlinsen, oder richtige Makroobjektive gehen natürlich auch – aber mein Wunschobjektiv kann ich mir nicht leisten, also muss ich mir mit den günstigen Zwischenringen behelfen. Da die Zwischenringe Licht schlucken und mein Teleobjektiv auch erst mit Offenblende f4 anfängt komme ich um ein Stativ nicht herum.

Meine Bilder will ich ein wenig dokumentarisch, intensiv und dennoch leicht verträumt haben. Also bewege ich mich irgendwo zwischen gleichmäßiger Ausleuchtung, schöner Lichtstimmung und dem Spiel mit der Unschärfe. Die für mich besten Konditionen hab ich meist morgens. Weiches Licht, welches morgens kurz vor Sonnenaufgang bläulich, kühl und mystisch wirkt, dann mit Sonnenaufgang in ein warmes verträumtes Rot kippt und sich danach 2-3 Stunden in warmen Goldtönen hält … wenn ich Glück habe. Zudem sitzen die Insekten um diese Zeit meist noch ruhig da und lassen einem die nötige Zeit für längere Stativaufbauten und Kameraeinstellungen.

Einige Fotografen verwenden Blitze für Makros – in Fällen wo man Insekten im Flug ablichten will und vielleicht sogar mit Lichtschranken arbeitet, macht das durchaus Sinn – für meine eher ruhige Art des Fotografierens sind sie eher kontraproduktiv, da sie die natürliche Lichtstimmung zerstören. Da man als Fotograf dennoch gerne gelegentlich Einfluß auf die Lichtführung nimmt, verwende ich in diesen Fällen Reflektoren – meist etwas improvisiertes, da ich im Vorfeld mal wieder nicht dran gedacht habe – einen weißen Zettel Papier, ein Taschentuch, die Silberfolie von der Verpackung meiner Wegzehrung, Kredit- oder Visitenkarten aus dem Portemonai, oder was sich sonst grade anbietet.

Wenn ich ein schönes Makro-Motiv gefunden habe, dann schaue ich es mir zunächst erstmal aus unterschiedlichen Richtungen an – links, rechts, oben, unten. Sieht sicher lustig aus, wenn ich mich so hin und her bewege, aber da ich meist nur andere Fotografen mit dabei habe, fällt denen das garnicht auf – die machen es ja auch nicht anders. Meine Art der Makrofotografie ist recht zeitintensiv, daher nehm ich nur noch Gleichgesinnte mit – wenn überhaupt. Sonst hab ich ständig wem im Hintergrund, der am drängeln ist und mir die Ruhe und Konzentration raubt. Ist bei Personenfotografie komplett anders, aber darum geht’s heute ja nicht.

Ist die optimale Perspektive gefunden und das Stativ in Position (zerstört dafür bitte nicht den halben Wald), dann geht es an die Kameraeinstellungen. Mit den Zwischenringen habe ich nur eine sehr geringe Schärfentiefe, daher blende ich hier in der Regel stärker ab als bei anderen Aufnahmen (Werte zwischen 8 und 16 – darüber bin ich vorsichtig, wegen der Geschichte mit der Beugungsunschärfe – zudem ist mein Objektiv auf optimale Schärfe bei Blende f5.6 ausgelegt). Die ISO-Werte versuche ich möglichst gering zu halten um starkes „Rauschen“ zu vermeiden. Das führt dann meist zu längeren Belichtungszeiten und der Gefahr, dass Unschärfe durch eine Bewegung des Motivs entsteht (besonders schwierig bei Wind). Hier ist oft Experimentieren und eine Menge Geduld gegefragt.

Als schwierig erweist sich oft auch das exakte Scharfstellen. Für bodennahe Aufnahmen habe ich einen Winkelsucher, ansonsten verwende ich aber viel lieber den live-view der Kamera in Kombination mit der Zoomfunktion und fokussiere dann manuell. Ausgelöst wird immer mit Timer, oder Fernauslöser um Verwacklungen möglichst zu vermeiden.

Sind die Aufnahmen dann im Kasten, geht es heim an den Computer. Durch Anpassungen im Weißabgleich, der Farbbalance und den Kontrasten versuche ich die Stimmung bei der Aufnahme wieder herzustellen und gelegentlich zu intensivieren. Zum Schluss kommt das Nachschärfen – geht bei digitalen Bildern leider nicht ohne, da diese in der Regel etwas „matschig“ aus der Kamera kommen. Teilweise schärft die Software in der Kamera von sich aus schon nach, oder man kann dies selbst in der Kamera einstellen. Ich für meinen Teil mache das lieber gezielt am Computer. Normales Nachschärfen über die Standardfunktionen (egal welche Software) ist meist entweder nicht scharf genug, oder direkt so stark, dass man „Treppenstufen“ (kantige Konturen), oder „Artefakte“ (Bildstörungen) bekommt. Wie bekommt man das also am besten hin? Ich verwende dafür die Funktion „unscharf Maskieren“ (z.B. in Photoshop, oder GIMP), da man hier die Stärke des Nachschärfens steuern kann. Wenn ich Bilder für’s Web verkleiner nutze ich zudem noch einen kleinen Trick und zwar schärfe ich das Bild mehrfach (immer nur ganz minimal – so 20%) und verkleinere das Bild zwischendurch immer ein wenig (in Schritten zwischen 300 und 1000 Pixeln – je nachdem wie nötig das Nachschärfen ist). Klingt unsinnig und nach unnötigem Mehraufwand? Der Hintergrund liegt in der Technik! Beim „unscharf Maskieren“ sucht sich die Software Konturen, da sie aber nicht wie wir Menschen gelernt hat Blätter, Steine, Tiere, etc. zu erkennen, macht sie das über Kontraste, denn die jeweilige Helligkeit eines Pixels kann sie mathematisch erkennen und verarbeiten. Stark vereinfacht: Findet die Software zwei Punkte die deutlich in der Helligkeit von einander abweichen, dann verstärkt sie deren Kontrast noch mehr und läßt so für das menschliche Auge den Eindruck einer klareren Kontur entstehen – was wir dann „scharf“ finden. Beim Verkleinern des Bildes haben wir einen ähnlichen Effekt als würden wir uns ein Bild an der Wand erst aus der Nähe betrachten und dann ein paar Schritte zurück treten und es uns aus größerer Distanz anschauen. Guckt man sich ein gedrucktes Poster aus nächster Nähe an, kann man oft sogar die kleinen Tinten-Punkte sehen. Geht man einen großen Schritt weit weg, verschwinden diese, aber man kann vielleicht noch kleine Kratzer, oder Staubfussel erkennen. Geht man auf größere Distanz, dann verschwinden auch diese – zumindest für unser Auge. Der Effekt beim Verkleinern ist ähnlich, aber in einem Punkt dann doch ganz anders. Dadurch das die Pixel nicht kleiner werden können, müssen sie aus den Pixeln die sie umgeben neu berechnet werden und dadurch verschwinden kleine Macken im Bild, aber gelegentlich auch einige kontrastreiche Übergänge und das ist der Grund warum das schrittweise Nachschärfen/Verkleinern durchaus Sinn machen kann – man kann gezielt die Vor- und Nachteile beider Effekte ausbalancieren!

So, genug Geheimnisse ausgeplaudert. Sonst bekomme ich noch Ärger mit den Profis.

Bis zum nächsten Mal!

p.s. Mit Foto wird’s doch irgendwie selbsterklärender:

Von links nach rechts:
1. Fast unbearbeitet (im Raw-Konverter schon leicht entrauscht – ISO 1600)
2. Die flauen Farben und Lichter aus der Kamera wieder etwas an den schönen Sonnenuntergang angepasst, bei dem ich das Foto aufgenommen habe
– Rot- und Gelbtöne in den Lichtern leicht angezogen, Blau in den Tiefen etwas verstärkt um den Schatten ihre Abendstimmung zu lassen)
– In der Tonwertkorrektur die Lichter, Schatten und die Kontraste angepasst.
– Sättigung leicht erhöht, da mir die Farben immer noch zu flau waren
3. verkleinert und einmal bei 120% nachgeschärft
4. und zum Vergleich in mehreren Schritten von je 300 Pixeln verkleinert und mit je 20% nachgeschärft

Nr 1 und 2 wurden nur verkleinert und wirken daher etwas unscharf. Nr 3 und 4 sind etwa gleichscharf, allerdings ist die „Treppenbildung“ an den Fäden bei 4 nicht ganz so intensiv und das Rauschen im Hintergrund milder.

Advertisements